Dabei ist die Kindertagespflege bereits grundsätzlich sehr gut geeignet für Kinder mit einer drohenden oder bereits vorhandenen Behinderung. In kleinen Gruppen und in familiärem Kontext kann optimal auf die individuellen Bedürfnisse der Kinder eingegangen werden. Damit dies noch besser möglich ist, haben zehn in der Kindertagespflege aktive Frauen seit April 2025 den Qualifizierungskurs „Inklusion in der Kindertagespflege“ bei der Katholischen Familienbildungsstätte absolviert. Dabei wurde der inklusive Grundgedanke, dass jedes Kind genau richtig ist, wie es ist und alle Kinder, die die Kindertagespflege besuchen, individuell begleitet werden können, gestärkt. In verschiedenen Modulen ging es um vorurteilsbewusste Pädagogik, partizipatorische Eingewöhnung, Beeinträchtigung der kindlichen Entwicklung/ Entwicklungsverzögerungen, Sprach- und Spielentwicklung, Früherkennung, Elternarbeit und Zusammenarbeit mit den Förderstellen.
„Damit hebt die Stadt Osnabrück das Thema Inklusion in der Kindertagespflege noch einmal auf ein höheres Niveau“, sagt Erster Stadtrat Wolfgang Beckermann. Inklusive Plätze in der Kindertagespflege können nun in den Stadtteilen Atter, Haste, Sonnenhügel, Dodesheide, Innenstadt, Wüste, Schölerberg, Fledder, Voxtrup und Schinkel-Ost angeboten werden.
Die Betreuungsform der Kindertagespflege eignet sich insbesondere aufgrund folgender Eigenschaften für die Betreuung von Kindern mit (drohender) Behinderung:
- Die kleine Gruppe der Kindertagespflege ermöglicht für alle Kinder eine individuelle Betreuung. Die Kindertagespflegeperson kann sich jedem Kind einzeln widmen und auf seine Bedürfnisse eingehen.
- Die Kindertagespflegeperson kann die Zeitpläne flexibel gestalten.
- Die überschaubare Anzahl von Personen – Kinder und Erwachsene - ist für Kinder mit besonderem Förderbedarf ein sicherer Rahmen, ermöglicht dennoch soziale Erfahrungen.
- Die anderen Kinder erfahren die Nähe und lernen den Umgang mit Menschen in ihren Unterschiedlichkeiten und Besonderheiten.
- Im pädagogischen Alltag lassen sich spezielle Angebote, wie zum Beispiel Sprach- und Bewegungsübungen für ein Kind mit allen anderen spielerisch gemeinsam durchführen.
- Wird in der Kindertagespflegestelle selbst gekocht, ist es vergleichsweise unkompliziert auf Ernährungsbesonderheiten Rücksicht zu nehmen.
Zum Hintergrund: Die Kindertagespflege ist ein flexibles Betreuungsangebot für Kinder im Alter von null bis 14 Jahren, das auf den individuellen Bedarf eines Kindes und der Familie zugeschnitten werden kann. Für Kinder unter drei Jahren stellt die Kindertagespflege ein gleichrangiges Betreuungsangebot gegenüber der Betreuung in der Krippe dar. Für Kinder über drei Jahren kann die Kindertagespflege als ergänzendes Betreuungsangebot zur Kita und/oder zur Schule in Anspruch genommen werden. In der Kindertagespflege betreuen qualifizierte Kindertagespflegepersonen - früher Tagesmütter/Tagesväter - eine Gruppe von höchstens fünf Kindern. Zwei oder drei Kindertagespflegepersonen können sich auch als Großtagespflegestelle zusammenschließen und in geeigneten Räumlichkeiten gemeinsam bis zu zehn Kinder betreuen.
Die Vorzüge der Kindertagespflege liegen insbesondere in der familiennahen und individuellen Betreuung in einer kleinen Kindergruppe. Die kleine Gruppengröße ermöglicht es den Kindern, Beziehungen untereinander aufzubauen und soziale Erfahrungen zu sammeln. Die intensive Betreuung und die enge Bindung zur Kindertagespflegeperson stellen wichtige Grundlagen frühkindlicher Bildungs- und Entwicklungsprozesse dar.
